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Zwiebelprinzip gegen großes Zittern

Artikel vom: 01.02.2012
Quelle: Waldeckische Allgemeine Landeszeitung (WLZ)
Autor: Natalie Volkenrath
Kategorie: Rettungsdienst + Schnelleinsatzgruppen

Artikel Inhalt

WLZ-FZ und Willinger Bergretter geben Ratschläge zum Schutz des Körpers gegen Kälte

Die Zähne klappern, auf den Armen bildet sich Gänsehaut: Minustemperaturen im zweistelligen Bereich sind selbst für die wintererprobten Waldeck-Frankenberger nicht alltäglich. Die WLZFZ gibt Tipps zum Schutz des Körper gegen die sibirische Kälte. Von natalie Volkenrath Waldeck-Frankenberg. „Der Winter hat uns fest im  Griff“, vermeldet Meteorologin Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Auf ihrer Internetseite www.dwd.de haben die Experten die „Eiszeit“ zum Thema des Tages erklärt. Für den heutigen  Mittwoch sagen die Fachleute für Nordhessen Dauerfrost mit Höchstwerten von -7 Grad voraus. In der Nacht zum Donnerstag sollen die Tiefsttemperaturen zwischen -10 und -16 Grad liegen. Auf Kinder achten Verantwortlich für die im wahrsten Sinne des Wortes sibirische Kälte ist das Sibirienhoch Cooper. Da vor allem  der Ostwind dafür sorgt, dass sich die gefühlten Temperaturen auch tagsüber im zweistelligen Minusbereich halten, raten die DWD-Experten, sich warm anzuziehen und Außentermine wenn möglich zu vermeiden. Wer sich berufsbedingt oder in seiner Freizeit dennoch im Freien aufhält, sollte seinen Körper auf jeden Fall vor dem  großen Zittern (siehe Stichwort) schützen. Kleinkinder und (Winter-)Sportler müssen sich besonders in Acht nehmen. „Trockene und warme, möglichst winddichte Kleidung nach dem Zwiebelprinzip ist das A und O“,  betont Frank Köster, Chef der Willinger Bergwacht und Rettungsassistent beim Deutschen Roten Kreuz. Mehrere dünne Kleidungsschichten sind demnach einer dicken Jacke und Hose vorzuziehen. Atmungsaktive Materialien vermindern das Schwitzen. Kampf den Kältebrücken „Besonders bei Kindern müssen Kältebrücken verhindert werden, um die Wärme am Körper zu halten“, ergänzt der Fachmann. Weil sich Kinder viel bewegen, sollte  immer wieder darauf geachtet werden, dass zum Beispiel die Ärmel über die Handschuhe gezogen sind oder die lange Unterhose fest in den Strümpfen steckt. Mützen, die nur das Gesichtsfeld freilassen, empfiehlt Köster  ebenfalls. Größere Kinder oder Erwachsene tragen stattdessen eine Gesichtsmaske. Zum Schutz von Haut und  Lippen dienen vaselinehaltige Cremes, keinesfalls Feuchtigkeitscremes anwenden. Für Menschen mit  empfindlicher Haut, die zum Beispiel unter (anhaltender) Gesichtsrötung (Rosacea) leiden, kann Kälte besonders  unangenehm werden. Insbesondere Temperaturwechsel zwischen kalt und warm verstärken die  Gesichtsrötung. Wer seine Haut vor dem Ausflug ins Freie mit Kälteschutzcreme behandelt, sollte diese bei der  Rückkehr ins Haus mit einem Taschentuch abtupfen, damit kein Wärmestau entsteht. Auch Skimaske und Schal   rechtzeitig ablegen und nicht vergessen: Creme auftragen, wenn es wieder nach draußen geht. Yoga gegen Kälte Fäustlinge und dick gefütterte Stiefel sind im eisigen Winter die „Waffen“ gegen kalte Finger und Füße. „Wenn  man die Finger nicht zum Festhalten braucht, sind ab Temperaturen von 10 Grad minus auf jeden Fall Fäustlinge  zu empfehlen“, erklärt der Bergretter. Eine Alternative sind Fausthandschuhe, deren Kappe sich herunterklappen lässt, falls doch einmal etwas gegriffen werden muss. Gerade Sportler setzen oft zusätzlich auf    nterziehhandschuhe aus Seide. Plüschige Pulswärmer und Gel-Handwärmer helfen ebenfalls. Im Kampf gegen  alte Füße sind Fellsohlen mit Alu-Unterseite und Wollsocken ein Mittel. „Auch wenn es inzwischen  bei jeder Art von Kleidung gute Kunstfasergemische gibt, geht nichts über Wolle und Daunen“, hebt Köster hervor. Anders sei es nur bei starker körperlicher Aktivität, bei der diese Materialien inder Regel zu warm seien und
das Schwitzen förderten. Folglich sind in diesem Fall Funktionskleidung und vor allem das Zwiebelprinzip gefragt. Weiterer Tipp des Upländers: „Ist das Training beendet, sollte sofort trockene und winddichte Kleidung angelegt werden.“ Bewegung ist für den Upländer ohnehin eines der wirksamsten Rezepte, um einer Zitterpartie zu entgehen: „Nur Muskelarbeit setzt Wärme frei, so dass man möglichst wenig herumstehen sollte.“ Zugleich ist  es aber wichtig, bei eisigen Temperaturen möglichst entspannt zu sein – denn wer verkrampft, friert noch mehr. Übungen aus dem autogenen Training oder Yoga bringen Ruhe in den Körper. Warmer Zucker statt  lkohol Vor zwei Dingen warnt der Bergwacht-Chef vehement: Nikotin und Alkohol. Raucher frieren schneller, weil  Nikotin die Gefäße verengt. Alkohol, vor allem Schnaps, wärmt laut Köster nur kurzfristig. Wenig später
kühle der Körper extrem stark aus. Statt des Flachmanns gehört eine Thermoskanne mit warmen, zuckerhaltigen  Getränken ins Gepäck. Köster erklärt: „Der Zucker sorgt dafür, dass die Energie dem Körper schnell zur  Verfügung steht und dass das Getränk nicht so schnell einfriert.“ Gliedmaßen ohne Gefühl Essen liefert ebenfalls  Energie, aber oft ist es schlechter zu transportieren. „Selbst Gels, die Sportler oft nutzen, gefrieren.“ Sein Rat:
Ein Stück Traubenzucker passt in jede Tasche. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ist eine Unterkühlung nicht  ausgeschlossen: Sobald sich Körperteile nicht mehr spüren lassen und rot werden, muss laut Köster umgehend ein Arzt aufgesucht werden. „Bei Erfrierungen sehen die Körperteile in der Regel so aus, als ob sie in zu heißes  Wasser getaucht worden sind. Meist lassen sie sich auch nicht mehr richtig bewegen“, erklärt der Rettungsassistent, gibt aber zugleich Entwarnung: „Wenn man nicht irgendwo liegt, wie nach einem Sturz,  kommen Erfrierungen in unseren Breitengeraden eigentlich nicht vor.“ Und damit auch Autofahrer gut durch die  Eiszeit kommen, gilt: Die Winterausrüstung des Autos prüfen und eine warme Decke sowie bei längeren Fahrten heiße Getränke parat haben.

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